Archiv der Kategorie Politik

Ernas Abschied

Mitglieder sind uns wichtig, besonders natürlich dann, wenn sie sich mutig für den Schutz von Umwelt und Natur einsetzen. So freuen wir uns, dass gerade im letzten Jahr etliche neue Mitglieder zu uns fanden. In Saarbrücken und überall besteht nämlich dringender Bedarf, unsere Ziele zu verfolgen und den politischen und administrativen Akteuren immer dann Druck und Widerstand entgegen zu setzen, wenn deren Planungen und Handlungen unserem Verständnis von einer zukunftsorientierten Umweltpolitik widersprechen. Also ist es unsere Pflicht, umweltschädliche Planungen zu bekämpfen. Das gilt auch zum Gebiet ‘”Franzenbrunnen”, für das die Stadt Saarbrücken eine nicht nur klimaschädliche, sondern auch eine solche Bebauung betreiben will, die dort viele zu schützende Tiere töten würde. Einem einzelnen unserer Fördermitglieder, nennen wir es “Erna”, passte aber nicht, dass wir uns gegen diese Fehlplanung zur Wehr setzen und damit solidarisch mit vielen im weiten Umkreis lebenden Saarbrücker Bürgerinnen und Bürgern handeln. “Erna” trat aus. Lediglich dann wäre gegenüber diesem Austritt Wut angesagt, sollte dieser Abschied einem Druck der Stadt Saarbrücken als Ernas Arbeitgeber geschuldet sein. Dann hätte ihr nämlich der von jedem Menschen in einer demokratischen Gesellschaft zu fordernde “Mut vor Fürstinnenthronen” gefehlt, die Sache des Umweltschutzes tapfer zu vertreten. - Problembewusstsein, gepaart mit Mut, sind allgemein unverzichtbare Bedingungen für erfolgreiche Arbeit. Aber leider müssen wir uns über manche Rückwärtswende im Umweltschutz wundern: Da fallen Frau/Mann wieder öfter im Straßenbild mit Pelzkleidung auf, während sich in den 80er und 90er Jahren fast niemand mit Persianer, Biber, Breitschwanz usw. in die Öffentlichkeit gewagt hätte. Oder, um nur noch ein einziges Beispiel zu nennen, ist es die anscheinend zunehmende Silvesterböllerei, die Menschen und Tiere mit Lärm erschreckt und zudem oft sogar für mehrere Tage -je nach Wetterlage- den Feinstaubgehalt der Luft über alle Grenzwerte erhöht. Doch wenigstens hinsichtlich der gefährlichen Nutzung der Atomkraft scheint wirklich einmal eine nachhaltige Vorwärtswende gelungen. Diese Wende “verdanken” wir letztlich der Katastrophe von Fukushima. Braucht der Mensch also erst immer die ganz große Katastrophe, um Vernunft anzunehmen und Mut zur Änderung zu fassen?

Franzenbrunnen - alternativlos?

Muss dort wirklich gebaut werden? Dieser Meinung frönt eine große Koalition im Saarbrücker Stadtrat. Wir sind aus ökologischen Gründen ganz anderer Ansicht, denn ein dort seit Jahrzehnten in mühevoller Arbeit mit Hilfe von behinderten Menschen in ökologischem Landbau aufgebauter Gartenbetrieb sowie eine stadtnahe Grünzone mit dem Vorkommen besonders geschützter Arten, wie der Zauneidechse mit nachgewiesenen Gelegen, verdienen es, erhalten zu werden. Wenn sich daher eine große Zahl Saarbrücker Bürger gegen den Raubbau an Grund und Boden und Naturzerstörung wehrt, ist das ein hoffnungsvolles Zeichen. Es werden nämlich in Deutschland weiterhin täglich neu 87 ha=870000 m²=124 Fußballfelder Boden versiegelt, d.h. bebaut. Dabei verlangt das Gesetz, dass mit Grund und Boden sparsam und schonend umgegangen werden muss. So gibt es für die Stadt am Franzenbrunnen auch keinen Bauzwang, der vor allem auch nicht aus dem bestehenden Flächennutzungsplan hergeleitet werden kann. Man darf es getrost als Vernebelungsstrategie bezeichnen, wenn die städtische Planungsreferentin, Frau Wandel-Höfer, wie übrigens auch Frau Britz, eine Bebauung quasi im Sinne eines Obligo einfordern und kühn auch noch als alternativlos bezeichnen. Ist es eigentlich verwunderlich, wenn sich immer mehr Bürger angesichts solcher Polittaktik verweigern, an Wahlen teilzunehmen, wie bei der OB-Wahl am 23.10.? Nach jeder Wahl mit geringer Wahlbeteiligung pflegen die gewählten oder nicht gewählten Kandidaten dasselbe Ritual: Sie geben die gewohnten Worthülsen von sich wie etwa, man müsse die Bürger mehr “mitnehmen” oder “Wir müssen mehr zu den Menschen hingehen”, so Originalton Frau Britz am Abend des 23.10. Die Worthülsen, mit denen auch wir Umweltwschützer bedient werden, ärgern uns schon lange. Zum Beispiel kennen wir doch die von Parteien und Kandidaten verkündeten Programme, wonach sie Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften, Abfallvermeidung, Recycling usw. angeblich ganz wichtig nehmen. Was sah man aber im OB-Wahlkampf? Jede Menge hochglanzbeschichtete Zeitungsbeilagen, Handzettel, Werbekarten usw. Die Spitze dieses Mißbrauchs lieferte Hochglanz-Strobel, der mit Glanz und wenig Gloria gescheiterte OB-Kandidat der CDU. Aber auch die grüne Kandidatin war nicht frei von Hochglanzpropaganda. An einem grünen Infostand, vom Autor dieser Zeilen darauf angesprochen, antwortete eine grüne Helferin, dass solche Werbung doch besser sei als Vollplastik zu verwenden!! Da bleibt als Resümee: Wir Bürger wollen nicht “mitgenommen”, sondern endlich ernst genommen werden und zwar alternativlos! Godehard Grünewald

Presseerklärung Franzenbrunnen

Saarbrücken, 24.09.2011
Presseerklärung
der Ortsgruppe Saarbrücken des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND), Landesverband Saar e.V.

 

Die von der Stadt Saarbrücken geplante Bebauung des Gebiets Franzenbrunnen in Alt-Saarbrücken veranlasst energischen Protest. Die Stadt will hier das bisher im wesentlichen nbebaute, natur- und stadtnahe Erholungsgebiet für zahlreiche Ein- und Zweifamilienhäuser sowie eine Kindertagesstätte erschließen und verkaufen. Weder aber besteht dafür eine erkennbare, noch erst recht eine nachgewiesene Wohnungsnot, die für eine weitere Bodenversiegelung vielleicht früher als Rechtfertigung hätte angeführt werden können:
Der bauliche Entwicklungswahn führt dazu, dass in Deutschland jeden Tag etwa 100 ha Grund und Boden neu verbetoniert oder asphaltiert werden. Wir sehen darin kein verantwortbares Verhalten der Planer in Stadt und Land. Gerade auch Saarbrücken weist nämlich eine stark rückläufige Bevölkerungsentwicklung auf. So wird die Stadt nach den Prognosen in absehbarer Zeit noch für vielleicht 160.000 Einwohner
Wohnsiedlungsfläche zur Verfügung stellen müssen gegenüber 190.000 Einwohnern, die noch vor rd. 20 Jahren gezählt wurden.

“Wir Menschen, in Saarbrücken und überall in Deutschland, müssen endlich auch im Bodenverbrauch eine Wende zurück zu Realität und Sparsamkeit finden,” so Godehard Grünewald vom BUND Saarbrücken, denn den natürlichen Boden der Mutter Erde zu versiegeln bewirkt,
… dass der Austausch zwischen der Atmosphäre und dem Boden verhindert wird;
… dass sich unser Klima weiter erwärmt;
… dass die Versickerung des Niederschlagswassers zum Grundwasser gehemmt und
das Regenwasser auf der versiegelten Oberfläche viel zu schnell abläuft und
Hochwassergefahren nur noch erhöht werden;
… dass die gewachsene Fauna und Flora kaputt gemacht wird.
Am Franzenbrunnen soll ein seit über 20 Jahren ökologisch entwickelter Land- und Gartenbaubetrieb ebenfalls der Bebauung geopfert werden, der zudem Arbeitsplätze für schwer vermittelbare, auch behinderte Mitbürger bietet. Die erheblichen ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen dieser Einrichtung würden vernichtet.
Eine verantwortbare Planung? Ökologisch? Sozial? “Nein”, sagt Frau Dr. Andrea Wurm vom BUND Saarbrücken. “Hier müssen sich wieder einmal andere, fiskalische Interessen gegenüber den Forderungen von Natur und Umwelt durchgesetzt haben.” Richtig ist nämlich, dass die Stadt diese überwiegend ihr gehörenden Grundstücke nach der Erschließung teuer vermarkten will. Also verschließen die dafür verantwortlichen Akteure bewusst ihre Augen gegenüber Fauna und Flora des Gebiets Franzenbrunnen, wo auf Initiative von engagierten Bürgern nicht nur mindestens eine stark gefährdete Echsenart festgestellt wurde, sondern auch 42 verschiedenen Vogelarten, darunter 36 Brutvogelarten. Noch nicht festgestellt wurde am Franzenbrunnen bisher der bekannte federlose Geier. Dieser sich überall stark vermehrende Vogel kann dafür aber ständig über dem Saarbrücker Rathaus kreisend gesichtet werden.

ViSP Dietrich Strohmaier, BUND Saarbrücken

Halberg-Guss, es stinkt weiter!

Halberg-Guss, langjährig in Saarbrücken-Brebach ansässig, ist ein bedeutender Zulieferer der Automobilindustrie. Diese Industrie befindet sich wieder in einem außerordentlichen Aufschwung, die Absatzzahlen steigen, auch und gerade bei den großvolumigen Fahrzeugen, an deren Motoren Halberg-Guss besonders gut verdient. Die Fa. ist aus einer Insolvenz wieder heraus. Die Produktion läuft auf vollen Touren, nur leider verbunden mit den immerwährenden Gestanksbelästigungen, die sich je nach Wetterlage über weite Teile der Stadt ausdehnen. Die Immissionsschutzbehörden (Landesamt, Ministerium) scheinen untätig oder ohnmächtig. Bürgerbeschwerden blieben unter diesen Umständen schon in der Vergangenheit sinn- und nutzlos. Ohne Investitionen der Fa. kann aber wohl keine Verbesserung eintreten. Gegen solche Forderungen wird aber leider einmal mehr das Totschlagargument eingesetzt, keine Arbeitsplätze gefährden zu wollen, immer schön zu Lasten gesunder Umwelt- und Lebensbedingungen!

Godehard Grünewald

Fukushima

Nach Tschernobyl hat nun der GAU im hochindustrialisierten Japan gezeigt, dass die
Kernkraft letztlich nicht beherrscbar und zu teuer ist. Die Vertreter dieser Energieform
nehmen die Gefahren offenbar billigend in Kauf. Nach Fukushima ist es auf jeden
Fall unmoralisch, noch Atomstrom zu kaufen und so die AKWs zu unterstützen. Die
erneuerbaren Energien sind ungefährlich und nachhaltig. Die herrschende Mehrheit
hat es leider viele Jahre lang geschafft, deren Entwicklung mit Nachdruck zu fördern.
Zum Glück scheint sich wenigstens die öffentliche Meinung langsam zugunsten der
erneuerbaren zu drehen.

atomkraftneindanke

Radfahren in Saarbrücken

Wer sich in Saarbrücken auskennt und seine Möglichkeiten nutzt kommt mit dem Fahrrad gut voran. Radfahren ist umweltfreundlich und sollte deshalb eigentlich besonders geschätzt werden; Besonders von den Autofahrern, die ja durch die Radfahrer mehr Platz auf den Straßen haben. Leider ist das bei einigen, von denen man dies am ersten erwarten sollte, noch nicht so der Fall. Etwa bei den Grünen. Die hatten vor über einem Jahr bei den Koalitionsverhandlungen einen Fahrradbeauftragten heraus geschlagen. Bisher ist dieser aber noch nicht bestallt und von Verbesserungen für den Radverkehr nichts zu sehen. Dass die Grünen die notorische Autolobby bei der Opposition nicht überzeugen konnte, ist nicht wirklich überraschend. Dass aber die Unterstützung bei den Koalitionären nicht hoch ist, spricht nicht für ihre Überzeugungskraft. Warum nicht mal die Verwaltung direkt angehen? Etwa mit einer Veranstaltung?

Mit der Unterstützung der „Radlerlobby“ ist es leider auch nicht weit her. Der ADFC hat sich kürzlich in einem von der Saarbrücker Zeitung gerne abgedruckten Brief mit Leisetreterei bemerkbar gemacht. Die bedauernswerten Autofahrer könnten oft die Situation der Radfahrer nicht richtig einschätzen. Die Wirklichkeit sieht leider so aus, dass Autofahrer Radfahrer töten und verletzen und nicht umgekehrt. Es wäre richtiger gewesen, diesen Sachverhalt zu betonen, um den Autofahrern die Gefahr von Unaufmerksamkeit oder Rücksichtslosigkeit zu verdeutlichen.

Leider geht auch unser Bundes-Verkehrsminister Ramsauer hier mit schlechtem Beispiel voran. Er nahm sich die sogenannten „Rüpel-Radfahrer“ vor. Derlei Zeitgenossen sind zwar nicht angenehm; Sie verursachen aber bei weitem nicht so viel Schäden wie die Rüpel-Autofahrer. Letztere dürfen mit Unterstützung von höchsten Stellen mit ihren Renn-Limousinen und Renn-Motorrädern auf unseren von
uns allen bezahlten Straßen rasen und immense Schäden verursachen.

Saarbrücken: Trinkwasser, unsere Saar und die “Stadtmitte”

Zuerst die gute Meldung: Unser Trinkwasser wird in erfreulicher Qualität geliefert. Es ist chemisch und bakteriologisch untadelig und hat einen natürlich-frischen Geschmack. Man kann es aus der Leitung entnehmen und bedenkenlos verwenden, ohne es abkochen zu müssen. Unverständlich also, warum so viele Menschen dennoch Wasser in Flaschen kaufen, vielfach verpackt in gesundheitlich bedenklichem Kunststoff. Die leeren Flaschen landen dann zu allem Überfluss im Abfall. Wasser ist ein empfindliches Gut, will aus Brunnen gefördert und mittels Schutzzonen behütet und in einem ständig unterhaltenen Leitungssystem verteilt und fortlaufend auf seine Qualität überwacht werden. Das alles erfordert viel Umsicht, zumal unser Trinkwasser aus örtlich verschiedenen Brunnen gewonnen wird. Den Mitarbeitern der Stadtwerke gilt unser Dank für ihren Einsatz.
Leider nun aber die schlechten Meldungen zur Saar: Diese ist mit giftigem PCB und Dioxin belastet. Seit weit über einem Jahr gelingt es dem Umweltministerium und dem Landesamt nicht, die Ursachen dieser gefährlichen Verschmutzungen aufzuklären, viel weniger diese abzustellen. Man vernimmt vielmehr nur unverändert die dringende Warnung des Ministeriums, Fische aus der Saar zu verzehren. - In umgekehrtem Verhältnis zu dieser Erfolglosigkeit steht die Hartnäckigkeit, mit der das millionenschwere Bauprojekt “Stadtmitte am Fluss” beworben und gefördert wird. Man kann auf der Seite der Berliner Promenade schon sehr gut das Ergebnis sehen: Die Saar, unser Fluss, ist seiner bis dato wenigstens noch teilweise begrünten Böschung beraubt worden, viele Bäume wurden gefällt und das Flussbett verschmälert und eingemauert: kalt, kahl und kantig, wie es nur PlanerInnen tun können, die wenig auf lebendigem Grün, dafür umso mehr auf der Verwendung von Baustoffen und Beton stehen. Die große Koalition von CDU, SPD, Grünen und Linkspartei befürwortet das alles, weil sie in Saarbrücken ein Prestigeobjekt durchziehen will, koste es, was es wolle. Die grüne Umweltministerin versteigt sich sogar zu der Behauptung, der geplante Autobahntunnel diene dem Hochwasserschutz. Dabei ist das genaue Gegenteil gutachterlich festgestellt. Nur durch aufwändige Abgrabungen bei den Daarler Wiesen soll Retentionsraum für Hochwasser gewonnen werden. Indessen würde dadurch nur ein knapper Ausgleich für den durch Eintunnelung der Autobahn verloren gehenden Stauraum erreicht. Eine wahre Verbesserung des Hochwasserschutzes wäre deshalb nur dann gegeben, wenn diese Abgrabungen zum Istzustand, also ohne Tunnel, den wünschenswerten  *zusätzlichen* Stauraum schaffen. Statt der Propaganda, den die große Koalition der Jasager in Stadtrat und Landtag für das Projekt betreibt, sollten die Bürger befragt werden, ob sie so etwas überhaupt wollen. Warum bekennen sich die Jasager nicht endlich zur Durchführung eines Bürgerentscheids? Direkte Demokratie, ja bitte!!

StadtmitteMai1

StadtmitteMai2

Dringend Unterstützung gesucht!

Wir suchen für den Anti-Atom-Montagsspaziergang am kommenden Montag, den 28.3. (und folgende Montage) BUNDler oder andere engagierte Bürger, die das BUND-Banner oder eine Abpfifffahne tragen, den Wagen mit dem Atomfass ziehen, die Beschallungsanlage ziehen, Flugblätter verteilen. Natürlich auch Menschen, die “nur” mitgehen.
Treffpunkt ist ab 17.30 Uhr unterhalb der Schlossmauer Saarbrücken. Ende der Veranstaltung ca. 19.15 Uhr (vor der Europagalerie)
Wer helfen möchte wendet sich bitte umgehend an Petra Petry von der Landesgeschäftsstelle des BUND Saar 0681 813700, petra.petry[AT]bund-saar.de.

flyer.pdf

atomflyerkleiner.jpg

Lehren aus Fukushima?

Die Reaktorkatastrophe in Japan legt folgende Schlüsse nahe:

o Die diesbezüglichen Warnungen der Umweltbewegungen haben sich bestätigt.

o Es ist zu befürchten, dass sich auch die anderen Befürchtungen - etwa hinsichtlich des Klimawandels - bewahrheiten.

o Die beschwichtigenden Argumente der entsprechenden Industrievertreter und die der betreffenden Verbraucher sind letztlich unzuverlässig.

o Das Hauptargument der Atomlobby, der angeblich unschlagbar niedrige Preis, sollte angesichts der immensen und kaum bezifferbaren Schäden eigentlich komplett hinfällig geworden sein.

o Wie gehe ich damit um, dass die derzeitige Mehrheit auch meine Lebensgrundlagen zumindest gefährdet, wahrscheinlich aber schließlich zerstört?

o Unser Grundgesetz garantiert die körperliche Unversehrtheit. Die derzeitige Mehrheit sorgt aber dafür, dass diese Garantie praktisch wertlos ist. AKWs mit einem Jahrtausende lang strahlenden, lebensgefährdendem Müll dürften keine Betriebserlaubnis bekommen (haben).

o Diejenigen, die umweltgerecht leben (z.B. weniger als 2 t CO2 pro Jahr benötigen) befinden sich in einer Notwehrsituation.

o Diese Lage gebietet zumindest stärkere Worte. Also etwa: Du Atomstrom-Käufer  … usw. gefährdest mich und verletzt mein Menschenrecht.
Und nicht wie bisher üblich: Wir Umweltschützer können den anderen doch keine Vorschriften machen. Wir müssen ihnen die umweltgerechte Lebensweise so positiv darstellen, dass sie diese freiwillig übernehmen.
Wenn wir denen mit dem “erhobenen Finger” kommen wenden die sich ab usw.

o Muss ich denjenigen, die durch den Atomunfall leiden, ihn aber durch ihre Akzeptanz dieser Energie mitverursacht haben, auch noch helfen? Mitleid gewiss. Es wäre noch stärker wenn ich wüsste, dass die Betroffenen den Zusammenhang erkennen. Sonst machen sie ja so weiter.

o Die Befürworter der Atomenergie wollen natürlich keine Diskussion hierüber. Deshalb verschanzen sie sich hinter der Schein-Moral mit dem Argument “im Angesicht der Schäden dies jetzt nicht parteipolitisch auszuschlachten”.
Erstaunlich jetzt die schnelle Einsicht von Schwarz-Gelb, dass die AKWs vielleicht doch nicht so sicher sind.

Die Bevölkerungsexplosion, Sarrazin und das Weltklima

Eine einfache Dreisatzaufgabe vorab: Weil heute 6,9 Mrd. Menschen auf der Welt 30,9 Mrd. to/a Kohlendioxid verursachen, wie viele Tonnen werden es dann im Jahr 2050 sein, wenn 9,5 Mrd. Menschen zu erwarten sind? Auch Herr Sarrazin müsste diese Aufgabe sicher lösen können: 42,55 Mrd. to/a. Diese Kohlendioxidfracht wäre dann also noch viel höher als die heutige, die klimaschädlich genug ist. Als umweltverträglich  können nämlich nur etwa 2,5 to/a pro Mensch gelten (vgl. Umweltmagazin Nr. 4/2008, S. 24). Aber Herrn Sarrazin interessiert das alles nicht, jedenfalls dann nicht, wenn die Zahl der Deutschen immer weiter abnimmt . Also gutes Klima nur für Deutsche! Wer bloss ein wenig globale Empathie für die Menschen in unserer einen Welt zu entwickeln vermag, muss vor Sarrazins Zynismus erschrecken. Viele Deutsche sind da viel weiter als Herr S; denn nur ein Rückgang der Geburten bei uns gibt eine Rechtfertigung, die überbordende Fruchtbarkeit in vielen Ländern Afrikas und Asiens als ungesund zu kritisieren und Projekte zu fördern, mit denen in diesen Ländern Aufklärung über Geburtenbeschränkung und Gesundheitsvorsorge betrieben wird. Die deutsche Bevölkerung zählte im Jahr 1852 35,9 Mio. Menschen. Im Jahr 2005 hatten wir dann 82,438 Mio Einwohner. Das entspricht einem Bevölkerungszuwachs von 230% in rund 150 Jahren, also in nur ganzen fünf Generationen. Dieser Trend ist erfreulicherweise seit etwa 1970 gestoppt. Dabei sind wir immer noch ein äußerst dicht besiedeltes Land mit allen Belastungen, die sich daraus für das Klima, die fortschreitende Bodenversiegelung (jeden Tag rd. 80 ha neu!) und überhaupt den Verbrauch der Lebensgrundlagen ergeben. Auch im Saarland sollten sich vielleicht manche “Bevölkerungspolitiker” öfters vor Augen führen, dass sich an der Saar 411 Menschen einen Quadratkilometer Fläche teilen müssen, in Indien aber “nur” 329 .

Menschenmasse

(C) Foto bei  www.mattonimages.de