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Stellungnahme zur Veranstaltung von Bündnis90/DieGrünen am 26.5.2010 zum Radverkehr in SB
Die Stadt Karlsruhe scheint Glück gehabt zu haben, dass sie nach einer schlecht ausgefallenen Umfrage des ADAC sich zu mehr Öffentlickeitsarbeit und mehr Radverkehrs-Infrastruktur aufgerafft hat. Sie hat seitdem (2004) einen Radverkehrsbeauftragten, dieser ist Saarbrücken leider verloren gegangen.
Dies ist nicht überraschend in einer Region mit sehr hoher Kfz- und Autobahn-Dichte und einem weit über dem Durchschnitt liegenden CO2-Ausstoß. Entsprechend am untersten Ende liegt der Anteil des Radfahrens. Es ist zwar lobenswert, dass die Grünen in Übereinstimmung mit dem ADFC die Saarbrücker zu mehr Radnutzung bewegen wollen. Doch deren Argumentation (”Radfahren kann Spaß machen”) ist erstaunlich schwach. Die Autofahrer freundlich zu bitten, doch den Radfahrern etwas mehr Raum und Geld zu geben, ist schon seit Jahrzehnten nutzlos. Die reagieren meist aggressiv und wollen von dem großen Stück, das sie sich genommen haben, natürlich nichts abgeben. Die Radfahrer sollen doch sehen wie sie zu ihrem Spaß kommen, die Autos schaffen Arbeitsplätze usw. Angesichts der sich abzeichnenden weltweiten Klima-Katastrophe ist es lebenswichtig, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Er muss (in Deutschland) schnellstens von 11 auf 2 t/Jahr und Person gesenkt werden, um große Probleme zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund ist die Erhöhung des Radverkehranteils und des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zur Eindämmung des motorisierten Individualverkehr (MIV) ein denkbarer Weg. Gerade die Verkehrsprobleme in der Stadt mit Toten und Verletzten sowie Gesundheitsproblemen durch Lärm und Feinstaub machen sie wenig attraktiv und verlangen neue Lösungen.
Wie die Vergangenheit zeigt kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Autofahrer dies einsehen und freiwillig die Nutzung des Autos wenigstens einschränken. Ganz im Gegenteil versucht die Autofahrer-Lobby etwa durch Abwrackprämie, niedrige Ökosteuer, günstige Parkgebühren, mehr Straßen usw. die Nutzung des Autos noch zu verstärken. Darüber hinaus versucht sie, die Kosten des Ganzen auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Ein Besucher des Hearing pochte geradezu auf sein angebliches Recht auf den Straßenraum..
Der BUND Saarbrücken plädiert dafür, den Autofahrern klar zu machen, dass ein solches Verhalten höchst verwerflich ist. Die meisten verdrängen diese Erkenntnis weshalb Argumente auf ethischer Grundlage hier helfen könnten. Des weiteren könnte auf den ungeheuren Aufwand für den MIV und die von ihm zu verantwortenden riesigen Schäden hingewiesen werden. Die derzeitigen europaweiten Sparanstrengungen zeigen doch, dass man nicht ungestraft ständig über seine Verhältnisse leben kann. Radfahren ist hier ganz klar im Vorteil.
Es ist schon verwunderlich, dass selbst die Grünen sich so offensichtlich zurückhalten und nicht die ganze Palette der Argumente aufgefahren. haben.
Die Saarbrücker Zeitung berichtete am 28.5.2010 über die Veranstaltung wie folgt:
„Radfahren kann Spaß machen“
Grünen-Hearing im Rathausfestsaal beschäftigte sich mit der Verbesserung des Radverkehrs in Saarbrücken
Wer in Saarbrücken mit dem Rad unterwegs ist, hat es nicht leicht. Vernünftige Fahrradwege sind Mangelware, so die Klage vieler Radler. Der Radverkehrsanteil liegt bei nur drei Prozent. Genau dieses Thema stand im Mittelpunkt eines Hearings der Saarbrücker Grünen.Saarbrücken. Beim ersten Hearing des Jahres im Rathausfestsaal sammelten die Grünen am Mittwochabend Ideen für ein radlerfreundlicheres Saarbrücken. Auch Johannes Schell vom Stadtplanungsamt Karlsruhe war dabei. Könnte Karlsruhe als Vorbild dienen? Diese Frage stand im Raum. Die Fakten: Auch die 290 000-Einwohner-Stadt in Baden hatte lange Zeit mit schlechten Bedingungen für den Radverkehr zu kämpfen.
Erst als ein ADAC-Test 2003 diese an die Öffentlichkeit brachte, setzte der Wandel ein. Mithilfe eines 20-Punkte-Plans wurde ein Großteil der Mängel nach und nach beseitigt.
Um Platz für Radwege zu schaffen, wurden unter anderem Auto-Fahrspuren verkleinert. Im Mittelpunkt des Plans stand dabei stets eine Gleichberechtigung für Radfahrer gegenüber dem Autoverkehr. Doch nicht nur neue Radwege und Abstellmöglichkeiten brachten den Erfolg. Maßgeblich beteiligt, so erfuhren die Anwesenden, war auch eine umfangreiche Imagekampagne, die das Bewusstsein der Bürger für den Radverkehr stärkte.
Wäre eine solche Kampagne auch in Saarbrücken erfolgreich? Die Grünen zeigten sich überzeugt davon. „Die Frage ist doch, wie wir aus einer Situation herauskommen, die uns schon über Jahre hinweg so sehr beschäftigt hat. Wir brauchen einen Verkehrs- und Bewusstseinswandel. Bürokratie allein reicht nicht aus, es muss sich auch etwas in den Köpfen der Menschen ändern“, so Kajo Breuer, Umweltdezernent der Stadt Saarbrücken.
Konkrete Großprojekte allein für den Radverkehr gebe es noch nicht viele, erfuhren die Gäste von Vertretern des Stadtplanungsamtes. Mit den neuen Markierungen in der Dudweilerstraße und einem Radweg zur Folsterhöhe schließe man bestehende Lücken. Auch bei Stadtmitte am Fluss stehe kein eigener Etat für den Radverkehr zur Verfügung.
Ist die angepeilte Zehn-Prozent-Marke für den Saarbrücker Radverkehr dennoch bis 2015 erreichbar? Laut Guido Vogel, dem verkehrspolitischen Sprecher der Stadtratsfraktion der Grünen, existiert vor allem ein „Umsetzungsproblem“. Um alle Beteiligten zur Mithilfe zu überzeugen, solle man zudem nicht nur Vernunftsargumente heranziehen, denn: „Radfahren kann auch Spaß machen“, sagt Schell. „Die beste Werbung für den Radverkehr ist und bleibt zudem immer noch ein guter Radweg!“